Empfehlungen:
Richtlinien zur medikamentösen Behandlung der Tuberkulose im Erwachsenen-
und Kindesalter
Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung
der Tuberkulose (DZK)
T. Schaberg, Rotenburg (federführend)
M. ForBbohm, Wiesbaden, B. Hauer, Berlin,
D. Kirsten, Großhansdorf, R. Kropp, Fulda,
R. Loddenkemper, Berlin, K. Magdorf, Berlin,
H. Rieder, Kirchlindach (Schweiz), D. Sagebiel, Berlin,
R. Urbanczik, Schörnberg-Schwarzberg
Allgemeines
Die Tuberkulose (Erkrankungen verursacht durch Erreger des M. tuberculosis-Komplex:
M. tuberculosis, M. africanum. M. bovis, M. bovis BCG, M. microti )
ist heute erfolgreich behandelbar, sofern rechtzeitig entdeckt und richtig
therapiert. Zu den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung
gehört die ärztliche Führung und Begleitung des Patienten
während des gesamten Behandlungszeitraumes. Dies umfasst vor allem
die wiederholte Beratung des Patienten, die therapiebegleitende Diagnostik
und die Überwachung derTherapieadhärenz. Die Behandlung einer
Tuberkulose sollte daher ausschließlich von Ärztinnen oder
Ärzten durchgeführt werden, die Erfahrung mit dieser Infektionskrankheit
haben [63]. Die Einleitung einer antituberkulösen Therapie muss
nach dem Infektionsschutzgesetz (lfSG) dem zuständigen Gesundheitsamt
umgehend innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden (ebenso wie der Tod
an Tuberkulose oder der Behandlungsabbruch durch den Patienten) [46].
Die Gesundheitsämter sorgen für die Sicherstellung der Behandlung
in Problemfällen, leiten die Umgebungsuntersuchungen ein und führen
die Infektionsstatistiken, Die Chemoprävention der Tuberkulose
wird in diesen Richtlinien nicht abgehandelt, sie ist Gegenstand separater
Empfehlungen, die zur Zeit erarbeitet werden.
Indikationen zur stationären Behandlung sind in Tab. l aufgeführt
[33], ansonsten kann die Therapie ambulant erfolgen. Von entscheidender
Bedeutung für den Erfolg der antituberkulösen Therapie ist
die umfassende Aufklärung des Patienten über die Erkrankung,
die Therapieprinzipien und mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen.
Medikamente
Für die Therapie der Tuberkulose stehen so genannte Erstrang- oder
Standard-Medikamente zur Verfügung, zu denen das Isoniazid (INH,
international: H), Rifampicin (RMP, international: R), Pyrazinamid (PZA,
international Z), Ethambutol (EMB, international: E) und Streptomycin
(SM, international: S) gehören [49,41 ] (Tab. 2,3). Die Tab. 4-
6 enthalten Angaben zur Dosierung bei Erwachsenen und Kindern. Wichtige
pharmakokinetische und mikrobiologische Daten der Standardsubstanzen
zeigt die Tab. 7.
Tab.l Indikationen für die stationäre Aufnahme/Behandlung
bei
Tuberkulose (modifiziert nach [33])
1) Schweregrad der Tuberkulose
- Ausdehnung und Infektiosität (mikroskopisch positiv)
- Symptome und Komplikationen
2) schwere Grund-/Begleitkrankheiten
3) Therapieprobleme
- Verdacht auf Mehrfachresistenz
(Vorbehandlung, Herkunftsland, Ansteckungsquelle)
- schwer wiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen
4) mangelnde Mitarbeit (Adhärenz)
- Alkoholkrankheit
- schlechte soziale Verhältnisse
5) ambulant nicht klärbare Diagnose
Isoniazid
INH wirkt stark bakterizid auf proliferierende, intra- und extrazellulär
gelegene Tuberkulosebakterien. Das Medikament wird fast vollständig
aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert, diffundiert schnell in Gewebe
und Körperflüssigkeiten und passiert die Blut-Hirn-Schranke.
Es tritt in den fetalen Kreislauf und in die Muttermilch über.
Eine parenterale Gabe ist möglich. Die hepatische Metabolisierung
erfolgt mittels des Enzyms Acetyltransferase (es wird in genetisch determinierte
"Langsam-" und "Schnellacetylierer" unterschieden,
dies ist bei täglicher Gabe ohne klinische Bedeutung), die Elimination
ist überwiegend renal (Tab. 7). Bei Patienten mit erhöhtem
Risiko für eine periphere Neuropathie und in der Gravidität
wird die zusätzliche Gabe von Pyridoxin empfohlen. Die Verträglichkeit
ist in der Regel gut; unerwünschte Arzneimittelwirkungen s. Tab.
8, Arzneimittelinteraktionen s. Tab. 9. Absolute Kontraindikationen:
INH-Allergie, akute Hepatitis, Störungen der Hämostase und
Hämatopoese; relative Kontraindikationen: zerebrale Anfallsleiden,
Psychosen, periphere Neuropathien.
Rifampicin
RMP wirkt intra- und extrazellulär bakterizid und sterilisierend
auf Mykobakterien. Es besteht eine breite Kreuzresistenz gegen Rifabutin
(bei Rifabutin-Resistenz besteht auch eine Resistenz gegen RMP; bei
RMP-Resistenz kann Rifabutin noch wirksam sein). RMP wird fast vollständig
aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert und diffundiert schnell in
Gewebe und Körperflüssigkeiten mit mäßiger Penetration
der Blut-Hirn-Schranke sowie Übertritt in den fetalen Kreislauf
und in die Muttermilch.
Mehr zu diesem Artikel:
Pneumologie 2001; 55: 494- 511
© Georg Thieme Verlag Stuttgart o New York
ISSN nqi4-R1S7
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